Rauch Kunst 2013
Rauch-Kunst (wer’s englisch mag: Smoke Art)

konvertiert-invertiert-koloriert-impressioniert

Selten ist ein Ergebnis in der Fotografie so sehr auf den Zufall gebaut, wie es bei einer Aufnahme mit aufsteigenden Rauchfahnen der Fall ist. Die Schaffung von Rauchbildern, oder treffender Rauchgrafiken, ist kein neues Genre der Fotografie. Es wurde in der Vergangenheit und es wird auch heute noch hin und wieder gern fotografisch damit experimentiert.

Einige Voraussetzungen dazu müssen erfüllt werden: Als Erstes muss sich der Fotograf eine Rauchquelle besorgen. Das kann ein handelsübliches Räucherstäbchen sein, oder ein Räucherkegel. Eine Kerze erfüllt diesen Zweck nur ungenügend, muss sie doch permanent angezündet und wieder ausgeblasen werden, um brauchbaren Rauch abzugeben. Ich hatte zuerst mit Räucherstäbchen experimentiert, die es meist in den „Fair Handel Läden“ zu kaufen gibt. Die Ergebnisse waren nicht so zufrieden stellend verlaufen. Erst als ich auf einem Weihnachtsmarkt Räucherkegel erstanden hatte, die mir dann als Rauchquelle dienten, kam ich zu überzeugenden Resultaten.

Um den Rauch nun fotografisch in Szene setzen zu können, war weiteres Equipment nötig. Ich rede hier von meiner Ausrüstung, andere mögen weitaus bessere Werkzeuge haben: Eine Kamera mit einer möglichst kurzen Blitzsynchronzeit sollte es schon sein, Zentralverschluss wäre ideal. Dann eine Einstelllampe, ein Satellitenblitz und ein samtig-schwarzer Hintergrund und schon kann’s losgehen.

Mein Aufbau sah dann so aus: Alles auf einen Tisch drapiert. Der samtig-schwarze Hintergrund verhindert weitgehend Lichtreflektionen. Davor, im Abstand von 30 – 40 cm habe ich den Räucherkegel aufgestellt. Seitlich an den Tisch stellte ich meine Fotolampe auf und darunter den Satellitenblitz. Nun zündete ich den Räucherkegel an (der glimmt gut eine halbe Stunde) schaltete die Fotolampe an und schirmte sie gegen den schwarzen Hintergrund ab. So hatte ich einerseits die Möglichkeit den Rauch manuell scharfstellen zu können, und ich sah gleichzeitig, wie ich den Satellitenblitz gegen den Hintergrund abschirmen muss. Das Blitzgerät auf meiner Kamera, die frontal auf den aufsteigenden Rauch gerichtet war, stellte ich senkrecht nach oben, gegen die Decke.

Nun konnte ich den Rauch, der permanent neue Figuren, während des Aufsteigens erzeugte, beobachten und in den Momenten auslösen, wenn ich glaubte eine besonders interessante Figur wahrgenommen zu haben. Der Kamerablitz, der gegen die Decke blitzte, löste den Satellitenblitz aus, der den aufsteigenden Rauch erhellte und durchdrang. Später ergab die Auswertung am PC eine Verwertungsquote von ca. 20%.

Die Raw-Dateien waren RGB Dateien. Der Rauch bläulich, der erste Anblick fast enttäuschend. Aber wozu gibt es den „Spirit of Man“? Also etwas Kosmetik an der Bilddatei (na ja, schon einige Arbeitsschritte). Dann Konvertierung in Schwarzweiß. Sah nun schon super aus. Markante Figuren, feinste Linien und Windungen. Das erste Bild war „geboren“. Das reizte zu experimentieren. Also das Bild invertieren. Ein anderes Seherlebnis. Wie wär’s mit kolorieren? Idee umgesetzt und siehe da, veränderte Sicht auf Rauch. Alles noch relativ gegenständlich. Also was bietet sich an? Die Form zu verlassen und das Werk zu impressionieren (ein wahres Kunstwort). Und so könnte man weiter experimentieren. Aber an dieser Stelle möchte ich es mal gut sein lassen.

Dieter WALTER

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